

Erfolg vom ersten Tag an: wie Isala SAM® mit Sorgfalt und Überzeugung implementiert
In vielen Krankenhäusern benötigt es Zeit, eine neue Arbeitsweise einzuführen. In der Beitragsreihe 5 Jahre SAM in der Praxis sehen wir oft, dass die Nutzung Schritt für Schritt wächst und sich die Akzeptanz allmählich entwickelt. Im Isala Krankenhaus verlief das anders.
Seit dem Start im Dezember 2025 setzt das Desinfektionsteam SAM täglich ein, als festen Bestandteil der Schlussdesinfektion von Isolationszimmern. Vom ersten Tag an ist der Roboter dort fester Bestandteil des Alltags. Das ist kein Zufall und erst recht keine Selbstverständlichkeit.
In dieser Ausgabe von 5 Jahre SAM in der Praxis schauen wir uns an, wie das Isala Krankenhaus dabei vorgegangen ist. Was sorgte dafür, dass es von Anfang an breite Unterstützung gab und der übliche Widerstand gegen Veränderung ausblieb?
Zwischen Patientensicherheit und Bettenverfügbarkeit
Wir sprechen mit Marloes van Dijk, Leitung Facility Management (Reinigung und Desinfektion), und mit Sem Frericks*, Fachkraft für Infektionsprävention in Ausbildung und Projektleitung des SAM-Pilotprojekts im Isala Krankenhaus. Ihre Zusammenarbeit ist bezeichnend für den gesamten Prozess.
„Das ist weder ein Facility-Projekt noch ein IP-Projekt“, betonen die beiden. „Es ist unser gemeinsames Projekt.“
Bei bestimmten Mikroorganismen setzt Isala im Rahmen der Schlussdesinfektion von Isolationszimmern bewusst auf eine ergänzende, automatisierte Desinfektion. Dazu zählen VRE, CPE und resistente Acinetobacter. Gerade bei diesen Erregern, die hohe Resistenzen gegen Antibiotika aufweisen können, will man maximale Sicherheit im Desinfektionsprozess.
Derzeit geschieht das mit Wasserstoffperoxid.
„Wasserstoffperoxid ist wirksam und validiert“, erklärt Sem. „Aber es hat auch Auswirkungen auf die Organisation der Versorgung.“
„Die Durchlaufzeit ist lang“, ergänzt Marloes. „Ein Zimmer ist mindestens neun Stunden nicht verfügbar. Am Wochenende oder wenn mehrere Schlussdesinfektionen gleichzeitig anstehen, summiert sich das schnell. Das wirkt sich direkt auf Bettenverfügbarkeit und Planung aus.“
Die Notwendigkeit einer ergänzenden Desinfektion stand also nie zur Diskussion. Die Frage war, wie man sie so organisiert, dass sie qualitativ zuverlässig und logistisch praktikabel bleibt.
„Wir würden zum Beispiel auch MRSA mit automatisierter Desinfektion behandeln wollen“, sagt Sem. „Aber mit der Durchlaufzeit von Wasserstoffperoxid ist das in der Praxis nicht machbar.“
Genau hier entstand das Spannungsfeld: maximale Sicherheit für die Patientinnen und Patienten, ohne dass Zimmer über längere Zeit nicht verfügbar sind.
Erst verlangsamen, dann beschleunigen
Als SAM ins Blickfeld rückte, war der erste Reflex nicht, sofort zu starten – im Gegenteil: Isala nahm sich bewusst die Zeit zu prüfen, ob UV-C-Desinfektion wirklich einen Mehrwert bietet.
„Intern haben wir auch gehört: Das könnten wir schon nächste Woche machen“, erzählt Sem. „Aber das wollten wir nicht. Wir wollten zuerst verstehen, was der Mehrwert ist, wie es funktioniert und ob es zu unserer Infektionspräventionsstrategie passt.“
Diese Entscheidung führte zu einer Vorbereitungsphase von mehr als einem halben Jahr. Andere Krankenhäuser wurden besucht, Erfahrungen ausgetauscht und Rahmenbedingungen klar definiert. Von Anfang an war klar: Wenn wir das machen, dann machen wir es richtig.
Kolleginnen und Kollegen aus verschiedenen Disziplinen schlossen sich an. Mit einer klaren Projektplanung führte Sem die Gruppe durch die Vorbereitungsphase. Eine strukturierte Übersicht zeigte, wer wofür verantwortlich war und welche Themen noch Entscheidungen erforderten.
Marloes ergänzt: „Bei den Besprechungen war auch Mark von Loop Robots dabei. Das war angenehm, weil Fragen zu SAM direkt beantwortet werden konnten. Gleichzeitig haben Sem und ich selbst das nötige Wissen aufgebaut. Am Ende des Prozesses konnten wir diese Fragen auch selbstständig beantworten. Das ist wirklich wertvoll.“
Ein Pilotprojekt mit klarem Rahmen
Der Einsatz von SAM startete nicht als offenes Experiment, sondern als Pilotprojekt mit klarem Rahmen – die Ergebnisse sollten von Anfang an fundiert sein.
Das Pilotprojekt wurde auf ein Jahr angelegt, mit vorab vereinbarten Go- und No-Go-Momenten und festen Evaluationsterminen. Seitdem werden die Ergebnisse jeden Monat ausgewertet und die passenden nächsten Schritte festgelegt.
„Wir wollen nicht aus dem Bauch heraus entscheiden“, sagt Sem. „Wir wollen fundierte Entscheidungen treffen.“
Im Dezember 2025 startete das Pilotprojekt auf der AOA, der Akutaufnahme des Krankenhauses. Auch das war eine bewusste Entscheidung. Es ist eine Station mit hoher Patientenfluktuation, einem breiten Spektrum an Mikroorganismen und einer logistisch günstigen Lage im Krankenhaus. Damit bietet die AOA eine realistische und inhaltlich relevante Testumgebung.
Seit dem Start wird der Einsatzbereich des Roboters im Laufe des Jahres schrittweise auf weitere Stationen ausgeweitet.
Marloes: „Wir wollen nicht nur sehen, ob es funktioniert, sondern auch, wie es in der Praxis funktioniert. Wie läuft die Logistik mit dem Roboter? Wie viele Roboter brauchen wir am Ende für das gesamte Krankenhaus? Und bei welchen Isolationsprotokollen wollen wir automatisierte Desinfektion einsetzen?“
Messen als Grundlage
Die Vereinbarung, fundiert zu entscheiden, verlangte eine strukturierte Art zu messen. Von Beginn an wurde das Pilotprojekt deshalb intensiv begleitet.
Dabei ging es nicht nur um die Funktion des Roboters selbst, sondern um den gesamten Prozess rund um den Einsatz. Wie läuft die Vorreinigung? Wird der Roboter korrekt positioniert? Erhält jeder Raum die richtige UV-C-Dosis? Und was bedeutet das für Durchlaufzeit und Arbeitsbelastung?
Um das sichtbar zu machen, nutzt das Krankenhaus unter anderem:
Umgebungskulturen, zum Beispiel auf MRSA und VRE
Dosimeter-Sticker zur Kontrolle der UV-C-Exposition
Begleitung der Mitarbeitenden des Desinfektionsteams
Strukturelle Zeitmessungen
Feedback von Mitarbeitenden und Stationen
Audits begleiten den gesamten Ablauf, von der manuellen Vorreinigung und Desinfektion über die Positionierung von SAM bis zum Abschluss des Zyklus.
„Wir schauen mit, stellen Fragen und prüfen, ob die Arbeitsanweisungen klar sind“, erklärt Sem. „Und mindestens genauso wichtig: Wie erleben die Mitarbeitenden die Arbeit mit SAM?“
Dieser systematische Ansatz zahlt sich sichtbar aus. SAM wird vom Desinfektionsteam seit dem Start täglich genutzt, und die Arbeitsweise war schnell verinnerlicht. Nur eine kleine Anpassung der Arbeitsanweisung war nötig.
Marloes: „Irgendwann klebten die Mitarbeitenden die UV-C-Dosimeter-Sticker nicht mehr auf. Die Messungen fielen immer so gut aus, dass sie dachten: Das passt schon. Trotzdem haben wir darum gebeten, das weiterhin zu tun. Gerade weil man immer wieder nachweisen will, dass der Prozess stimmt, auch wenn nichts Auffälliges herauskommt.“
Auch die mikrobiologischen Ergebnisse schaffen Vertrauen.
Sem: „Diese Ergebnisse sind positiv. Nach der Desinfektion wurden in den Kulturen keine Mikroorganismen gefunden. Das bestätigt, dass der Prozess tut, was er tun soll.“
Akzeptanz im Team
Obwohl die Vorbereitung sorgfältig war, rechneten Marloes und Sem damit, dass die Einführung von SAM Fragen aufwerfen würde. Gerade in einem spezialisierten Desinfektionsteam, das es gewohnt ist, mit großer Präzision und handwerklichem Können zu arbeiten.
„Ehrlich gesagt hatten wir mehr Widerstand erwartet“, sagt Marloes. „Fragen wie: Ersetzt ein Roboter bald Menschen? Ist das wirklich genauso gut wie Handarbeit? Wir haben ein unglaublich starkes Team, das für Qualität steht. Dann ist es ein großer Schritt, einen Teil dieses Prozesses einer Technologie anzuvertrauen.“
Genau deshalb wurde das Team von Anfang an aktiv einbezogen.
„Wir haben jemanden aus dem Desinfektionsteam in die Arbeitsgruppe aufgenommen“, erzählt Marloes. „Dadurch entstand Eigenverantwortung. Es war nichts, was ihnen auferlegt wurde, sondern etwas, an dem sie selbst beteiligt waren.“
Diese Einbindung endet nicht mit der Schulung. Zwischen dem Desinfektionsteam und Loop Robots gibt es eine WhatsApp-Gruppe, in der Mitarbeitende ihre Fragen direkt stellen können.
„Wir bekommen sehr schnell eine Antwort, sogar am ersten Weihnachtsfeiertag“, sagt Marloes. „Das hilft dem Team enorm bei der täglichen Arbeit mit SAM.“
Auch die enge Einbindung der Infektionsprävention spielte eine wichtige Rolle. Dass die Infektionsprävention von Anfang an mitschaute und mitentschied, gab Vertrauen in diese Art der Desinfektion. Die positiven Testergebnisse stärkten dieses Vertrauen zusätzlich.
„Es ist ein reproduzierbarer Prozess“, sagt Sem. „Und die Handarbeit bleibt. SAM unterstützt das Team, es nimmt ihm sein handwerkliches Können nicht weg.“
Im Vorfeld gab es außerdem praktische Fragen zur Aufteilung der Zimmer. Durch die charakteristische ‚Schmetterlingsform‘ des Krankenhauses gleicht kein Patientenzimmer dem anderen. Das schien eine mögliche Herausforderung für einen automatisierten Prozess zu sein. Doch entgegen der Erwartung führte das zu keinen Problemen.
„Wir hatten erwartet, dass uns die unterschiedlichen Zimmeraufteilungen mehr Mühe bereiten würden“, sagt Marloes. „Aber die Mitarbeitenden begleiten SAM gut, und in den Ergebnissen sehen wir keine Abweichungen. Im Gegenteil, die Frage, die wir jetzt am häufigsten hören, lautet: Wann dürfen wir SAM auch auf anderen Stationen einsetzen?“
Zeitgewinn und Nachhaltigkeit
Es ist nicht unbedingt überraschend, dass Mitarbeitende nach einer Ausweitung fragen. Der Einsatz von SAM bringt in der Praxis nämlich einen deutlichen Zeitgewinn.
Während Wasserstoffperoxid mindestens neun Stunden braucht, bevor ein Zimmer wieder verfügbar ist, lässt sich die Durchlaufzeit mit SAM erheblich verkürzen, auf nur 45 Minuten. Dieser Unterschied hat direkte Folgen für die Organisation der Versorgung.
„Das hat enorme Auswirkungen auf Planung, Zimmerverfügbarkeit und Arbeitsbelastung“, sagt Marloes. „Wir haben nur ein Wasserstoffperoxid-Gerät. Wenn mehrere Isolationsfälle gleichzeitig auftreten, steigt die Wartezeit schnell. Gerade am Wochenende. Mit SAM entsteht viel mehr Flexibilität.“
Diese Flexibilität macht es möglich, schneller zu reagieren, ohne Kompromisse bei der Qualität der Desinfektion einzugehen.
Aber Zeit ist nicht der einzige Vorteil. Aus Sicht der Infektionsprävention spielt auch Nachhaltigkeit eine Rolle.
„SAM nutzt nur Strom und keine Chemikalien“, erzählt Sem. „Das macht den Einsatz relativ günstig und passt zu unseren Nachhaltigkeitszielen.“
Weil UV-C keine Rückstände hinterlässt, ist außerdem keine Nachbehandlung nötig. Das verkürzt nicht nur die Durchlaufzeit, sondern vereinfacht auch den Prozess.
So kommen Zeitgewinn, Qualität und Nachhaltigkeit in einer Arbeitsweise zusammen.
Blick nach vorn
Das Pilotprojekt läuft weiter, aber die Richtung wird immer klarer. Eine Ausweitung auf weitere Stationen ist ausdrücklich im Blick, immer gekoppelt an die vereinbarten Evaluationsmomente und fundierte Entscheidungen.
„Wenn sich die Ergebnisse und Erfahrungen so weiterentwickeln“, sagen Marloes und Sem, „dann sehen wir SAM als dauerhaften Bestandteil unserer Desinfektionsstrategie.“
Gleichzeitig betonen die beiden, dass der Erfolg nicht nur in der Technik liegt, sondern im Vorgehen.
„Andere Krankenhäuser besuchen“, rät Marloes. „Voneinander lernen. Und von Anfang an die Menschen einbeziehen, die damit arbeiten werden. Das macht wirklich den Unterschied.“
Laut Sem liegt die Stärke im gemeinsamen Vorgehen: „Sich die Zeit nehmen, es richtig zu verstehen, es anhand der eigenen Infektionspräventionsstrategie prüfen und klare Vereinbarungen treffen. So entsteht Vertrauen.“
Die Implementierung von SAM bei Isala war kein Glückstreffer, sondern das Ergebnis sorgfältiger Vorbereitung, guter Zusammenarbeit und fundierter Entscheidungen.
*Zum Zeitpunkt dieses Interviews war Sem Frericks als Fachkraft für Infektionsprävention in Ausbildung und Projektleitung des SAM-Pilotprojekts im Isala Krankenhaus tätig. Inzwischen arbeitet er als Fachkraft für Infektionsprävention im Deventer Ziekenhuis.
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